Familie ohne Auto – geht das?

Familie ohne Auto – geht das?

Als Eltern sehen wir uns oft in einer Zwickmühle. Wir wollen klimaschonend unterwegs sein, aber im Alltag klappt das nicht immer.

Seitdem ich Mutter geworden bin, sind grüne Forderungen im Verkehr noch wichtiger für mich, als sie es schon davor waren: Einerseits wünsche ich mir – wie wohl alle Eltern – eine gute Zukunft für meine Kinder, andererseits verändert sich der Alltag mit Kindern sehr. Wenn ich an die Zukunft denke, ist es mir wichtig, dass meine Kinder nicht, die von uns verursachte, Klimakrise ausbaden müssen. Laut aktuellen Schätzungen der Europäischen Umweltagentur ist der Autoverkehr für mehr als 40 Prozent der EU-weiten CO2-Emissionen verantwortlich. Der wichtigste Hebel klimaschonend mobil zu sein, ist also, ohne Auto unterwegs zu sein. Trotzdem wissen wir als Eltern wohl auch alle, wie herausfordernd es ist, mit Kind in und außerhalb der Stadt unterwegs zu sein. Schon die kürzesten Wege können was Zeit und Gepäck betrifft wie Weltreisen anmuten und so wundert es nicht, dass für viele das Auto plötzlich wieder zum bequemen Verkehrsmittel der Wahl wird.

Alltag: Die Stadt der kurzen Wege

Zuerst zu etwas Grundsätzlichem: Klimaschonende Mobilität beginnt im Alltag in einer Stadt der kurzen Wege. Unser größter Beitrag dazu ist daher, dass wir mit Kindern überhaupt in der Stadt wohnen! Gerade mit Kindern ist die Verlockung des Hauses im Grünen groß. Das bedeutet jedoch oft, im Alltag für Berufs- und Schulwege oder Besorgungen auf das Auto umzusteigen. Für meine Familie und mich war es daher eine bewusste Entscheidung, auch mit Kindern in der Stadt zu bleiben. Gerade das gute öffentliche Verkehrsnetz in Wien macht es uns sehr einfach, im Alltag nahezu ausschließlich ohne Auto unterwegs zu sein. Auch eine gute Nahversorgung und  nahe Bildungseinrichtungen, von Kinderkrippen bis zu den AHS, unterstützen Eltern und Kinder dabei.

Freizeit: Unterwegs mit Kind und Kegel im Bezirk

Kinder wollen immer beschäftigt werden. Gleichzeitig ist es oft mühsam, einen Ausflug ins Kindertheater durch die halbe Stadt zu machen. Deshalb sind wir froh, dass die Landstraße für Kinder sehr viel zu bieten hat: Von den 17 Spielplätzen, zahlreichen Parks über das Familienbad im Schweizergarten bis hin zu drei städtischen Büchereien, einem Kindertheater, der Volkshochschule und einigen Sportclubs.

Tipp: Wir haben die besten Aktivitäten und Infos zum Leben mit Kind in der Landstraße in unserer Kinderbroschüre und auf https://bessermitgruen.at/bezirkskarte/ für euch gesammelt.

Oft liegt das Gute also nah und ist zu Fuß, mit dem Roller, mit dem Rad oder den Öffis gut zu erreichen. Leider lässt die Radinfrastruktur in unserem Bezirk zu wünschen übrig und so nutzen nur wenige Familien mit (kleinen) Kindern das Fahrrad im Alltag. Es gibt zwar einige baulich getrennte Radwege, aber leider sind die wichtigsten Routen durch den Bezirk  wie  Rennweg, Schlachthausgasse und Landstraßer Hauptstraße, sehr radunfreundlich. Magdalena und Romana (beide Mütter zweier Kinder) würden dort jedenfalls nicht mit ihren Kindern fahren. Wir Landstraßer Grüne fordern daher einen massiven Ausbau der sicheren Radwege auf den Hauptrouten. 

Erholung: Längere Ausflüge mit Kindern

Trotz des umfangreichen Angebots für Aktivitäten im Bezirk, zieht es natürlich viele Familien  an andere Ecken in und außerhalb der Stadt. Auch da ist es möglich und praktisch, viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch dem Fahrrad unterwegs zu sein. Der Prater und die Donauinsel sind nah und in der Innenstadt gibt es viel zu erleben.Stefanie und Sebastian haben der Umwelt und dem Haushaltsbudget zuliebe kein eigenes Auto mehr und sind mit ihren drei Kindern ausschließlich mit dem Lastenrad unterwegs. “Kinder kriegen viel mehr mit, was rundherum passiert, wenn sie im Lastenrad sitzen. Dann quengeln sie auch weniger“, sagt Stefanie. „Ausflüge außerhalb von Wien machen wir meist mit dem Mietauto und das braucht deshalb mehr Planung. Praktisch fände ich, wenn wir uns mit anderen Familien ein Auto teilen könnten.“

Tipp: Wer  ein Lastenrad ausprobieren möchte, kann sich beim Radgeschäft Huberista gratis das Grätzlrad ausborgen!

Bei mir persönlich beginnen bei längeren Strecken oft die Gewissensbisse: Mit dem Bus und zwei Kindern auf den Cobenzl oder in den böhmischen Prater? Das ist möglich, aber schon deutlich mühsamer. Oder mit der Franz-Josefs-Bahn ins Waldviertel? Das heißt, erst mit Kind und Gepäck mit der U-Bahn durch die halbe Stadt fahren und dann den vergleichsweise teuren und langsamen Zug und Postbus nehmen? Das ist im Moment schon über meiner Schmerzgrenze. Deshalb habe ich mich noch nicht komplett vom Auto getrennt. Was dabei für mich wichtig ist: Mein Auto parkt in der Garage. Ich möchte damit der Gemeinschaft nicht auch noch öffentlichen Raum wegnehmen, wenn es gar nicht in Benutzung ist. Deshalb unterstütze ich die Forderung der Grünen Landstraße nach mehr Bäumen und Radwegen – auch auf Kosten von Parkplätzen. Gleichzeitig sind die oft beträchtlichen Kosten für Garagenplätze ein schwieriges Thema, gerade für Jungfamilien. Gerade im geförderten Wohnbau sind die Preise aber noch für viele leistbar, dennoch stehen die Garagen leer.

In der Garage steht auch meistens das Auto von Daniela (1 Kind). Sie nutzt es vor allem um am Wochenende zu ihren Eltern auf’s Land fahren zu können. Sie fände es aber als Alternative cool, wenn Carsharing-Angebote direkt in den Garagen der Wohnhäuser verfügbar wären, um die vielen Dinge, die man mit Kind braucht, einfach zu transportieren.

Mein Fazit:Interessanterweise verzichtet niemand der Eltern, mit denen ich gesprochen habe, komplett auf das Auto, ob eigenes oder nicht. Im Bezirk und in der Stadt sind die Landstraßer*innen mit den Kindern meist klimaschonend unterwegs. Es wären kreative Ideen gefragt, wie auch über die Stadtgrenze hinaus das Auto immer mehr obsolet wird. Wir als Grüne arbeiten daher laufend an neuen Mobilitätsangeboten, die am Ende dem Klima uns allen zu Gute kommen.

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