Frauen im Fokus: Marisa

Lehrerin an einer Volksschule

Frauen im Fokus: Marisa

Lehrerin an einer Volksschule

Marisas Berufsleben wurde durch Corona ziemlich auf den Kopf gestellt.

Ich bin 25 Jahre alt und wohne inzwischen seit zwei Jahren im 3. Bezirk in der Gegend St. Marx/Schlachthausgasse. Meine Wohnung teile ich mit meinem Freund und vielen Pflanzen. Ich arbeite in meinem zweiten Dienstjahr als Volksschullehrerin an einer Schule im 10. Wiener Gemeindebezirk.

Wir leben jetzt seit einem Jahr mit der Corona-Krise, die unseren Alltag komplett verändert hat. Was hat sich bei dir persönlich komplett verändert?

Natürlich hat sich auch in meinem Privatleben viel verändert, aber vor allem mein Arbeitsleben als Lehrerin wurde durch die Corona-Krise komplett auf den Kopf gestellt. Die erste große Veränderung im Lockdown war das Kennenlernen des Home-Schoolings, das es so vorher noch nie gegeben hat. Vor allem in der Volksschule, in der die Schüler*innen doch noch sehr jung sind, wurde das Lernen stark erschwert. Aber auch nach den Lockdowns ist der Schulalltag verändert: Unterricht in Kleingruppen, Masken und Corona-Tests gehören nun dazu und stellen sowohl für die Kinder als auch für die Lehrer*innen tägliche Herausforderungen dar.

Außerdem ist die Planung des Unterrichts nahezu unmöglich geworden. Seit fast einem Jahr erhalten wir kaum Informationen, auf die wir uns verlassen können, sodass wir ständig auf alle Eventualitäten vorbereitet sein müssen: Lockdown oder nicht, Schichtbetrieb, Home-Schooling oder voller Präsenzunterricht. Daher muss ich wesentlich mehr am Wochenende arbeiten, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Gibt es besondere Herausforderungen, die sich für dich persönlich in der Corona-Krise stellen? Wie bewältigst du sie?

Abgesehen davon, dass die Corona-Krise sowieso eine wahnsinnig große Herausforderung für alle Menschen darstellt, empfinde ich die Kombination aus vielen kleinen Schwierigkeiten als meine größte persönliche Herausforderung: die Unplanbarkeit des privaten und schulischen Alltags, die fehlenden Informationen vonseiten des Ministeriums und das Erhalten der Informationen aus den Medien, das Abstand-Halten in der Klasse. Als zum Teil schwierig erweist sich auch die Kommunikation mit den Eltern an einer Volksschule im 10. Wiener Bezirk mit nahezu 100 % Kindern mit anderen Erstsprachen als Deutsch. Dazu kommt oft fehlende technische Ausstattung, wodurch die Kommunikation und das Home-Schooling zusätzlich erschwert werden können. Jedoch zeigen die meisten Eltern viel Engagement und Dankbarkeit, was sie in regelmäßigen Telefonaten zum Ausdruck bringen.
Die meisten Schwierigkeiten sind zum Glück irgendwie bewältigbar. Dafür brauche ich viel Flexibilität und Spontanität in der Schule sowie die Bereitschaft viel Zeit am Wochenende für die Schule einzuplanen. Dies schaffe ich nur dadurch, das Wohl meiner Schüler*innen im Kopf zu behalten und den Sinn in meiner Arbeit zu sehen. Das fällt mir zum Glück nicht schwer.

Gibt es etwas in deinem Leben, was sich durch die Corona-Krise zum Positiven verändert hat?

Seit den großen Einschränkungen, die jetzt das ganze Leben beherrschen, merke ich, wie ich die kleinen Dinge mehr schätzen gelernt habe: Wie ich mich freue, wenn ich Freunde oder Familie treffen kann oder wenn alle Kinder wieder in die Schule kommen dürfen. Außerdem habe ich den 3. Bezirk gut kennengelernt auf vielen Spaziergängen, um den Kopf frei zu bekommen.

Hast du einen Lieblings-Ort im Dritten Bezirk?

Einen Lieblingsort habe ich im dritten Bezirk nicht, was ich am Bezirk Landstraße am liebsten mag ist die Nähe zum Prater und Donaukanal. Dort habe ich viel Zeit verbracht, um frische Luft zu schnappen, Sport zu machen oder die Natur zu genießen.

Auf was freust du dich besonders, wenn die Corona-Krise vorbei sein wird?

Da ich ein äußerst sozialer und gesellschaftsliebender Mensch bin, der normalerweise sehr viel Zeit mit Familie und Freunden verbringt, freue ich mich am meisten darauf, diese wieder uneingeschränkt treffen zu können. Ich freue mich auf Familienfeiern, auf Restaurantbesuche und auf Treffen in einem Kaffeehaus.

Worauf ich mich außerdem sehr freue, ist wieder reisen zu dürfen, aus Wien rauszukommen, wieder etwas anderes zu sehen und neue Eindrücke zu gewinnen.

Gibt es einen Wunsch, den du an die Politik hast?

Der dringende Wunsch, den ich an die Politik hätte, wäre relevante Informationen an Schulen und Lehrpersonen mitzuteilen, sodass es möglich ist, sich auf die kommenden Situationen einstellen zu können und nicht auf die Medien zurückgreifen zu müssen, um zu erfahren, wie es zwei Tage später in der Schule weitergeht.
Besonders wichtig wäre mir persönlich auch eine echte Chancengleichheit für Kinder aus bildungsfernen Familien. In der Corona-Zeit konnte ich an meinem Schulstandort beobachten, wie schwierig die Voraussetzungen von vielen Familien sind, die technisch nicht gut vernetzt sind, keinen Computer besitzen und schwer am Home-Schooling teilnehmen können. So wird die Situation für diese Kinder und Familien, die teilweise auch andere Erstsprachen als Deutsch sprechen, immer schwieriger und die Ungleichheit in den Klassen wird immer ausgeprägter.

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